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BILDUNGSPLAN LOLLAR
 

Finanziell gefördert von: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Stadt Lollar




Grundlagen

Der Förderverein hat im Rahmen seiner selbst gesetzten Zielsetzung im Juni 2010 mit Vertretern der Stadt Lollar und den im Bildungssektor in Lollar tätigen außerschulischen Projektträgern einen Kooperationsvertrag geschlossen, in dem bisherige Bildungsvorhaben aufgegriffen, fortgeführt und/oder weiterentwickelt, neue hinzufügt und zu einem gemeinsamen Konzept verbunden werden: Bildungsplan Lollar - Miteinander Leben - Voneinander Lernen.
Die Bündelung der Aktivitäten in einem Netzwerk dient dem Zweck Reibungsverluste zu vermeiden, Synergien zu erzeugen und die Finanzierung effektiv und überschaubar zu gestalten. Der Bildungsplan läuft zunächst von 2010-2012.
Beteiligt an dem Bildungsplan sind neben der Stadt Lollar und dem Förderverein die Evangelische Kirche Lollar/CVJM, die Lernkiste Gießen e.V., das Deutsche Rote Kreuz (KV Gießen) und der Internationale Bund (IB).


Ziele

Der Bildungsplan sieht die Förderung und Begleitung von Vorschulkindern, Grundschulkindern, Kindern der Sekundarstufe I, Jugendlichen bei der Berufsfindung und -ausbildung und Beratung der Eltern vor.

Dabei gelten folgenden Zielsetzungen:

-Förderung von Spracherwerb und Sprachkompetenz
-Chancengleichheit bei der Bildung
-Integration und gesellschaftliche Teilhabe
-Brücken bauen zwischen den Kulturen


Hintergrund

In Lollar leben Migranten mit 53 Nationalitäten. Die größte Gruppe sind Migranten aus der Türkei mit unterschiedlichem ethnisch-religiösen Hintergrund. Die zweitgrößte Gruppe sind Deutsche aus Russland. Der hohe Migrantenanteil Lollars spiegelt sich in den Schülerzahlen der Lollarer Schulen wider. Die Kinder und Jugendlichen wachsen in zwei unterschiedlichen Kulturen auf und können nur mit Schwierigkeiten den Ansprüchen beider gerecht werden. Es gibt deutlich weniger Jugendliche mit Migrationshintergrund, die Abitur machen. Je geringer qualifizierend der Schulzweig, desto höher der Anteil an Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Bildung ist ein wesentlicher Bestandteil des Lollarer Integrationskonzeptes. Da Lollar seit 2002 Standort des Bund-Länder Programms „Die soziale Stadt“ ist, konnten durch die Mikroprojekte „Lokales Kapital für soziale Zwecke“ sinnvolle Ideen zu Integration, Qualifizierung und Bildung gerade im Bereich der Jugendförderung umgesetzt werden. Die Projektträger haben sich vernetzt und gemeinsam überlegt, welche Projekte weiterhin sinnvoll sind. Der Bildungsplan Lollar greift einige der erfolgreichen Initiativen auf, bündelt sie und hat das Projekt Bildungsplan Lollar als Modellvorhaben der Hessischen Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt (HEGISS) mit neuen Perspektiven und lokalen Partnern wieder aufgelegt. Das Projekt „Bildungsplan Lollar“ wird mit Landes- und Bundesmitteln sowie der finanziellen Unterstützung der Stadt Lollar durchgeführt


Bestandteile des Planes:

1. Kinder im Vorschulalter werden gemeinsam mit den Eltern an das Lernen herangeführt: HIPPY- frühes Familienbildungsprogramm für Migranten; (DRK - Kreisverband Gießen). Mütter fördern ihre Kinder im Alter von 4 – 6 Jahren selbst und bereiten diese auf die Schule vor. Die Mütter erarbeiten zunächst mit einer Hausbesucherin die wöchentlichen Arbeitsmaterialien, danach erarbeiten die Mütter mit ihren Kindern die Lern- und Spielmaterialien in häuslicher Atmosphäre und im angemessenen Lerntempo. Ziel von HIPPY ist, neben der Förderung der Kinder, dass die Mütter (und Väter) ihre Sprachkenntnisse verbessern und ihre Rolle in der Familie gestärkt wird. So können sie ihre Erziehungskompetenz und die Zusammenarbeit mit Erzieherinnen und Lehrerinnen verbessern.


2. In einem weiteren Modul werden Grundschulkinder auf den Übergang zur weiterführenden Schule vorbereitet: Lernförderung an der Grundschule (Lernkiste e.V., Gießen). Zusätzlich zur Nachmittagsbetreuung werden Kinder mit Migrationshintergrund, die vor dem Übergang zur weiterführenden Schule stehen, ab der 3. Klasse bis zum Übergang in die weiterführende Schule gezielt gefördert. In Kleingruppen bis zu 6 Schülern werden sie von Studierenden mit Migrationshintergrund des Fachbereichs Lehramt betreut. Dabei wird neben der Sprach- und Lernkompetenz auch die Sozialkompetenz gefördert. Ein weiteres Angebot schult die Eltern als Unterstützer für ihre Kinder. Es bietet die Möglichkeit, dass Eltern lernen, die Unterrichtsinhalte mit ihren Kindern gemeinsam zu verstehen. Mit Unterstützung einer pädagogischen Kraft, die durch ihren eigenen Migrationshintergrund auch sprachlich auf die Eltern eingehen kann, soll der Unterrichtsstoff transparent gemacht werden und somit den Eltern ermöglichen, ihre Kinder zu unterstützen.

Diese Lernförderung ist ein wichtiger Baustein der gesamten Strategie, damit die Kinder einen möglichst guten Start in die weiterführende Schule erhalten.


3. In dem Modul Hausaufgabenhilfe wird Kindern der Mittelstufe bei den Hausaufgaben und der beruflichen Orientierung geholfen (evangelische Kirche Lollar/CVJM). Die Hausaufgaben- und Orientierungshilfe fördert gezielt einzelne Jugendliche, zeigt ihnen Perspektiven für ihre Zukunft auf und begleitet sie ganzheitlich. Jugendliche haben die Möglichkeit, Hausaufgaben zu machen, Fragen zu stellen, Hilfe und Nachhilfe zu bekommen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit individuelle Nachhilfe zu vereinbarten Terminen zu erhalten, damit sie mit den vielfältigen Anforderungen im schulischen Alltag und ihren privaten Problemen besser umgehen können. Die Hausaufgaben- und Orientierungshilfe findet in enger Vernetzung mit den Schulen, den Eltern sowie anderen Einrichtungen zur Förderung Jugendlicher und dem weiteren Angebot der kirchlichen Jugendarbeit statt.


4. Durch das Modul „aufsuchende und offene Jugendarbeit“ werden Jugendliche außerschulisch betreut und an Angebote der Jugendarbeit, Vereinsarbeit sowie an Informationsangebote herangeführt. (Internationaler Bund). Die aufsuchende/mobile Jugendarbeit geht auf die die spezifischen Belange der Jugendlichen, deren zentraler Sozialisationsort die Straße ist, ein und entwickelt Alternativen zur Problemlösung.

Das Jugendzentrum Lollar ist eine Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Dort werden die Interessen der Besucher aufgegriffen und die Jugendlichen bei ihrer Freizeit- und Lebensplanung sinnvoll unterstützt



5. Die Elternarbeit bei den Migranten wird von den Beratungsstellen für türkische Migranten und für Deutsche aus Russland im i-Punkt übernommen (Förderverein aktive Nachbarschaften FAN Lollar). In den Beratungsstellen arbeiten je eine Deutsche aus Russland und eine Migrantin aus der Türkei. Sie entwickeln pro Jahr zwei kulturspezifische Angebote, um Eltern in Erziehungsfragen zu unterstützen. In den regelmäßigen Beratungsstunden beraten die Mitarbeiterinnen Eltern in allen Erziehungsfragen und vermitteln in die Lollarer Angebote für Kinder und Jugendliche.






 

Eine ausführlichere Beschreibung über Entstehung und Strukur finden Sie zum Herunterladen hier [78 KB]


 

Preisübergabe im Frankfurter Römer am 23.9.2010 Das Bild zeigt die Hessische Kultusministerin Dorothea Henzler (rechts) und die Projektkoordinatorin von "Bildungsplan Lollar" Bettina Metz-Rollshausen vom Förderverein Aktive Nacbarschaften Lollar e.V. (links mit Urkunde)